(7568) Woyzeck

Westfälisches Landestheater

Woyzeck

Schauspiel von Georg Büchner

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In seiner Erzählung „Lenz“ lässt Georg Büchner die Titelfigur Wesentliches von dem formulieren, was seine eigene Vorstellung vom Wesen und Sinn der Literatur aus-macht. Es ist eine Abrechnung mit dem Idealismus der Klassik, vor allem mit Schiller. Und er setzt dem entgegen: „Man versuche es einmal und versenke sich in das Le- ben des Geringsten und gebe es wieder, in den Zuckungen, den Andeutungen, dem ganz feinen, kaum bemerkten Mienenspiel… Es sind die prosaischsten Menschen unter der Sonne; aber die Gefühlsader ist in fast allen Menschen gleich, nur ist die Hülle mehr oder weniger dicht, durch die sie brechen muss. Man muss nur Aug und Ohren dafür haben.“ Dies ist die radikale Absage an die immer noch die Literatur beherrschende ‚Ständeklausel’, nach der nur Personen hohen Standes würdig sind, mit ihrem Schicksal Gegenstand der Tragödie zu werden. Aus der Theorie wird Realität, wenn Büchner sich in der letzten Phase seines kurzen Lebens der Figur Woyzeck zuwendet und diese in den Mittelpunkt des gleichnamigen Dramas stellt, das er nicht mehr vollenden kann, das in Bruchstücken vorliegt, über deren Bedeutung im Einzelnen und deren Zusammensetzung zu einem Spieltext sich Gelehrte bis heute den Kopf zerbrechen und streiten. Trotz alledem: „’Woyzeck’ gehört zu den meist- gelesenen und gespielten Texten der dramatischen Weltliteratur des 19. Jh.s.“ (KLL) Zwar hat es 42 Jahre gedauert , bis ein lesbarer Text hergestellt wurde, und erst 1913 – hundert Jahr nach Büchners Geburt – fand die Uraufführung statt, die Faszination der Geschichte jedoch vom geschundenen „Subjekt Woyzeck“, dem Menschen, auf dem alle herumtrampeln und der schließlich zum Mörder wird, hat seitdem bei Zuschauern wie Schauspielen nichts eingebüßt. Mit seiner Psycho-Studie, mit seinem Blick für die Zusammenhänge von materieller Lage der Menschen und ihrer psychischen Verfassung war Büchner seiner Zeit weit voraus. Erst das 20. Jahrhundert wusste solches Denken und Wissen zu würdigen.