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FERRIS MC

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Ferris MC – Glück ohne Scherben »Scherben bringen Glück« heißt es im Volksmund gerne – zum Beispiel, wenn ein Bild von der Wand fällt oder Omas Lieblings-Service am Boden zerschellt und man dem Malheur noch etwas Gutes abgewinnen möchte. Auch im Leben von Ferris MC ist lange eine Menge kaputtgegangen. Und auch, als irgendwann scheinbar alles in Ordnung war, lag noch viel im Argen. Etwas, das sich mittlerweile geändert hat. Mit »Glück ohne Scherben« legt Ferris MC nach einer kompletten Karriere als der Charakterkopf des Deutschrap und seiner anschließenden freiwilligen Stilllegung jetzt sein erstes Soloalbum in zehn Jahren vor. Es ist keine verzweifelte und peinliche Rückbesinnung auf die gute alte Zeit, sondern die beeindruckende Weiterentwicklung eines Menschen, Musikers und Künstlers, der sich selbst stets treu geblieben ist. Geboren wird Ferris MC vor 41 Jahren als Sascha Reimann in Neuwied. Nach kurzen Zwischenstopps in Kiel und Neumünster wächst er schließlich im Bremer Sozialbrennpunkt Tenever auf. Als Ferris sechs Jahre alt ist, macht der Vater sich aus dem Staub. Auch die neuen Freunde, die seine Mutter nach und nach anschleppt, sind weder Väter noch Vorbilder, sondern durch die Bank Alkoholiker. Weil die Mutter mit der Situation überfordert ist, besucht Ferris nach der Schule einen Hort, in dem er beim Klauen erwischt wird. Also geht es ins Tagesheim, wo er sich mit den anderen Kindern prügelt. Als Ferris 14 Jahre alt wird, darf er auch dort nicht mehr hin. Falsche Freunde, viel Zeit und pubertärer Leichtsinn sind die besten Voraussetzungen für jede Menge Dummheiten. Erst sind es nur ein paar Zigaretten, dann andere Drogen. Hier und da lassen die Jungs mal etwas mitgehen und dealen Drogen, um über die Runden zu kommen. In die Schule geht Ferris zu diesem Zeitpunkt nur noch, wenn er Lust hat. »Ich war nicht dumm, aber ich hatte keinen Bock auf den Scheiß«, erinnert er sich. »Wenn ich zur Schule gegangen bin, dann nur wegen des Musikunterrichts oder des Schultheaters.« Tatsächlich wird Ferris bei einer Schulaufführung entdeckt und sammelt erste schauspielerische Erfahrungen am Theater, ehe er schließlich Mitte der Neunziger bei der Kultserie »Nicht von schlechten Eltern« mitspielt. Ferris schafft mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss, beginnt eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker – und widmet sich endlich auch der Musik. Er will in die Fußstapfen der Beastie Boys treten, die Gitarren samplen und seinem Ärger in Raptexten Luft machen. Inspiriert von den frechen Freigeistern entdeckt Ferris den Punk für sich und hört nicht mehr nur Run DMC und Ice-T, sondern auch die Ramones oder Die Ärzte – und schreibt mit 16 erste Texte auf Englisch. 1991 lernt er DJ Pee kennen und gründet 1993, mit Flowin Immo als drittem Bandmitglied, die Freaks Association Bremen, kurz F.A.B. Ein Jahr später erscheint mit »Freaks« das erste und einzige Album der Band, das bis heute als Meilenstein des deutschen HipHop gilt. Als es zum bandinternen Streit kommt, beschließt Ferris, Bremen zu verlassen, und landet genau zur richtigen Zeit in der Hochphase des HipHop in Hamburg. Er wird Teil der Mongo Clikke um Samy Deluxe und Eißfeldt (Jan Delay) und unterschreibt einen Vertrag beim legendären Label Yo Mama Records. Dort veröffentlicht er 1999 sein erstes Soloalbum mit dem Namen »Asimetrie«, zusammen mit Afrob gelingt ihm sein erster Hit mit dem Song „Reimemonster“, der inzwischen zu den Classics des deutschen Hip Hop zählt. Das düstere, bisweilen technoide und rockige »Asimetrie«, auf dem Ferris MC sich als schizophrener und drogensüchtiger Freak inszeniert, bildet die Antithese zum gutgelaunten und augenzwinkernden Deutschrap-Mindstate um die Jahrtausendwende. Ein Image, das Ferris nicht nur auf dem darauffolgenden Album »Fertich!« beibehält. In Interviews und bei Konzerten schlägt er mehr als einmal über die Strenge. Ende 1999 verbringt Ferris aufgrund eines alten Haftbefehls wegen Drogenverkaufs zwei Wochen in U-Haft – ziemlich genau eine Woche, nachdem er im Hamburger Gefängnis Santa Fu ein Konzert vor den Häftlingen gegeben hat. Kurz danach gewinnt er den ECHO in der Kategorie »Bester Nachwuchskünstler«. Mit dem Album »Audiobiographie« entwickelt Ferris sich dann weiter. Er wird musikalischer und experimenteller – ganz zum Ärger der Fans, die in ihm immer noch den verballerten Junkie-MC sehen wollen. Der große Hit »Zur Erinnerung« kann dann wie ein Abschied von den kaputten Zeiten gesehen werden. »Ich hatte immer diesen Stempel auf der Stirn, der mich als den Asi-Rapper schlechthin gebrandmarkt hat«, erinnert sich Ferris. »Für die Jugendlichen war ich dann irgendwann zu erwachsen, weil ich nicht mehr die krasse Schiene gefahren bin.« Als sich in Berlin die nächste Rapper-Generation formiert und eine neue Härte propagiert, beschließt Ferris MC, seine Karriere als Rapper nach 12 Jahren zu beenden. Fortan widmet sich Ferris der Schauspielerei und steht unter anderem für den Kinofilm »Für den unbekannten Hund« vor WARNER MUSIC GROUP GERMANY der Kamera. Parallel gründet er 2006 gemeinsam mit Marc Thiel das Duo Maniax und frönt als DJ und Produzent seiner Leidenschaft für elektronische Musik. Ferris genießt die Anonymität des Auflegens und erholt sich von der jahrelangen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Nachdem Ferris die Gruppe Deichkind im Jahr 2008 im Frühjahr auf Tour begleitet, wird er im Herbst des gleichen Jahres festes Mitglied der Band, die in den Jahren darauf mit Awards und Platinplatten überhäuft wird. Trotz des Troubles kommt Ferris mit Deichkind endlich zur Ruhe. Denn die Rolle des Teamplayers ist genau das, was er nach jahrelanger Fokussierung auf seine Person braucht. »Deichkind ist kein Ego-Ding, sondern ein Gesamtkonzept aus vielen kleinen Komponenten. Meine Person ist da als einzelne nicht relevant. Das nimmt einem ungemein Druck.« Aber irgendwie kann er die alte Zeit auch nicht ganz hinter sich lassen. Irgendwann fängt das alte HipHop-Kämpferherz wieder an zu schlagen: »Ich hatte wieder Bock, alleine etwas auf die Beine zu stellen und habe eine neue Herausforderung gesucht.« Mit diesem Anliegen wendet Ferris sich an den Musikmanager Oliver Frank, der auch den Hamburger Produzenten Swen Meyer vertritt, welcher u.a. schon mit Kettcar, Tomte und Tim Bendzko zusammengearbeitet hat. Die Aufgabe, mit Ferris, seiner Geschichte und seinem Material ein gelungenes Album zu produzieren, scheint mehr als reizvoll - und so holt Oliver Frank schnell Swen Meyer mit ins Boot. In endlosen Gesprächen frickelten Ferris, Swen und Oliver gemeinsam mit ihrem Team so lange herum, bis der Sound und die Sprache für das Album gefunden waren. Das Konzept trägt den Namen Brachial-Pop. Das ist nur konsequent, denn auf »Glück ohne Scherben« hört man klassischen HipHop genauso wie rockige Riffs und elektronische Einflüsse, aber eben auch glasklaren Pop. Die perfekte Grundlage für Ferris’ Texte. »Ich habe mich schon immer nicht nur als Battle-Rapper, sondern als Songwriter gesehen«, findet Ferris. »Ein Song wie Deichkinds ›Luftbahn‹ ist unglaublich kitschig, gleichzeitig aber auch genial. Ich wusste nie, ob ich das auch als Ferris MC ausleben kann.« Er kann es. Die Texte auf »Glück ohne Scherben« haben mitunter etwas beinahe Magisches, ohne dabei ins Kitschige abzudriften, und sind dann wieder schnörkellos, ehrlich und direkt. »Wir haben Bilder erschaffen, die man so noch nicht gehört hat, mit denen aber trotzdem jeder etwas anfangen kann. Die Songs wirken auf jeden anders und können immer wieder unterschiedlich interpretiert werden«, sagt Ferris. »Kater« erzählt zum Beispiel auf zauberhafte Weise vom Nachtleben und Balzverhalten eines Haustigers und entpuppt sich erst nach mehrmaligem Hören als raffinierte Metapher auf den dicken Kopf nach dem letzten Trinkgelage. Solche Geschichten hat Ferris genauso in petto wie knallharte Konsumkritik auf »All die schönen Dinge«, während »Wenn du hast« das Streben nach dem steten Mehr und die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft auf die Schippe nimmt. Für den Song »Roter Teppich« hat Ferris MC die klassische Battlerap-Idee mit der Härte und Kompromisslosigkeit eines Rock-Songs kombiniert und liefert eine C-Promi-Schelte der Extraklasse, die klar macht, dass Ferris derjenige ist, der all die Dschungelcamp- und Topmodell-Nasen überleben wird. Und wo wir schon dabei sind: Mit Eko Fresh knöpft er sich auf »Kill Kill Kill« die neue Rapper-Generation vor, die mit Kindergarten-Attitüde und Klingelstreichen den schnellen Euro machen wollen. Ferris spielt da nicht mit. Was Ferris MC mit »Glück ohne Scherben« geschafft hat, ist bis dato noch keinem Rapper gelungen: Er ist in Würde gealtert. Während Rocker wie Udo Lindenberg mit so etwas keine Probleme haben, ist das im Deutschrap bis dato ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Rapper probieren sich aus, experimentieren herum, kehren dann zu ihren Wurzeln zurück und scheitern kläglich. Nicht so Ferris MC. Er hat sich einfach frei gemacht – von hohen Erwartungen, alten Karrierefixpunkten oder angestaubten Images. Raffinierte Textideen, eine ganz eigene, gleichermaßen verspielte und direkte Sprache gepaart mit musikalischer Offenheit – all das existiert auf »Glück ohne Scherben« ganz wunderbar nebeneinander. »Es ist ein rundes Album geworden«, sagt Ferris MC. »Das finde ich gut – schließlich habe ich ja schon genug Ecken und Kanten.« Recht hat er.

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