WDR 3

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WDR 3 ist als öffentlich-rechtlicher Kulturradiosender von Nordrhein-Westfalen allgemein bekannt. Anspruchsvolle Wortsendungen und ein gehobenes Musikprogramm machen den Sender aus, der aber auch Konzerte veranstaltet. So zum Beispiel die „Tage Alter Musik“, die WDR 3 alljährlich in Kooperation mit der Stadt Herne ausrichtet.

VERSTEHEN – VERWIRREN

Musik sei sprachähnlich, sagte Theodor W. Adorno. Wie verständlich aber ist eine  musikalische Sprache, wie verständlich will sie überhaupt sein? »Verstehen – Verwirren« lautet das Thema der TAGE ALTER MUSIK IN HERNE. Sie zeigen in zehn Konzerten
Formen musikalischer Kommunikation vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Wir wissen, dass sich Musik nicht in der bloßen Kommunikation
erschöpft, denn sie ist Kunst. Trotzdem richtet sich Musik immer an ein Gegenüber. Militärische Fanfaren (Schwanthaler Trompetenconsort am 17.11.) meinen etwas anderes als die kunstvollen Kreationen des blinden Komponisten Francesco Landini, der im 14. Jahrhundert mit seiner Musik zu einem inneren Sehen animierte (La Reverdie am 14.11.).

Und was ist mit Johann Sebastian Bachs »Kunst der Fuge«? Musiker und Musikwissenschaftler rätseln bis heute, ob diese Musik überhaupt zum Spielen gedacht war oder eher zur lesenden Kontemplation (Ensemble Vintage Köln am 16.11.). Der Franzose Joseph Bodin de Boismortier wollte auf jeden Fall verstanden werden, und zwar nationen- und ständeübergreifend. In seiner Ballettoper »Les Voyages de l’Amour« richtet er den Blick auf die italienische Musiksprache, genauso wie er die französischen Konventionen bedient. Vor allem unterhaltsam und abwechslungsreich sollte seine Musik sein (Purcell Choir und Orfeo Orchestra am 17.11).

Eine der spannendsten Debatten um die Funktion der Musik und um ihre Gestalt fand im 16. Jahrhundert beim Tridentiner Konzil statt. Die Forderungen waren radikal: Die Kirchenmusik sollte nur noch das geistliche Wort transportieren und dabei möglichst einfach sein. So komplexe Kompositionen wie die Weihnachtsmotette »Praeter rerum seriem« von Josquin Desprez waren plötzlich nicht mehr zeitgemäß. Der Legende nach gelang es Giovanni Pierluigi da Palestrina, das Konzils-Kollegium mit seiner »Missa Papae Marcelli« davon zu überzeugen, dass Kompositionskunst und sakrale Eignung keine Gegensätze bilden. Palestrina hat in dieser Messe sogar Josquin zitiert (Tallis Scholars am 15.11.).

Ein Festival für Akteure und Liebhaber Alter Musik

Mit alter Musik verhält es sich wie mit alten Sprachen. Man kann Aufzeichnungen studieren und entschlüsseln, aber wie es früher geklungen hat, weiß man trotzdem nicht. Ähnlich wie die Linguisten über die korrekte Aussprache und Betonung toter Sprachen wie Latein und Altgriechisch nur spekulieren können, gibt es auch bei der Frage, wie die Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks geklungen haben mag, viel Raum für verschiedene Interpretationen.

So gibt es denn auch ganz unterschiedliche Ansätze bei der Interpretation von Musik, die vor 1750 entstanden ist. Die historische Aufführungspraxis versucht sich mit alten Instrumenten und Spielweisen an einer möglichst authentischen Rekonstruktion früherer Klangwelten, andere Ansätze gehen freier mit dem überlieferten Ausgangsmaterial um.

Die „Tage Alter Musik“ in Herne lassen beide Ansätze gelten. Das seit 1976 jährlich stattfindende Festival zählt zu den weltweit bedeutendsten Ereignissen für Akteure und Liebhaber Alter Musik.

Das in Kooperation zwischen WDR 3 und dem Kulturamt der Stadt Herne ausgerichtete Festival vereint jedes Jahr im November rund zehn Konzerte an verschiedenen Orten in der früheren Bergbaustadt.

Die „Tage Alter Musik“ in Herne lassen beide Ansätze gelten. Das seit 1976 jährlich stattfindende Festival zählt zu den weltweit bedeutendsten Ereignissen für Akteure und Liebhaber Alter Musik. Das in Kooperation zwischen WDR 3 und dem Kulturamt der Stadt Herne ausgerichtete Festival vereint jedes Jahr im November rund zehn Konzerte an verschiedenen Orten in der früheren Bergbaustadt.

Hauptspielstätte ist seit jeher das am Rand der Innenstadt gelegene Kulturzentrum Herne, aber auch andere Orte wie die in direkter Nähe befindliche Kreuzkirche oder die Künstlerzeche Unser Fritz werden bespielt. Doch nicht nur Konzerte machen den Reiz des Festivals aus – es gibt auch ein umfangreiches Begleitprogramm. Neben Symposien und öffentlichen Diskussionen ist das traditionelle Highlight die Musikinstrumenten-Messe, bei der man seltene historische Instrumente nicht nur bewundern, sondern zum Teil auch ausprobieren kann.

Alle Konzerte des Festivals werden entweder live oder zeitversetzt auch bei WDR 3 übertragen und jeweils im Folgejahr wird der Mitschnitt als CD veröffentlicht.

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Appellhofplatz 1
50667 Köln