(6253) Iphigenie auf Tauris

Westfälisches Landestheater

Iphigenie auf Tauris

Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe

Tickets für Iphigenie auf Tauris bei ProTicket kaufen

Goethes 1786 vollendete Versfassung des Schauspiels „Iphigenie auf Tauris“ ist zweifellos einer der wesentlichsten dramatischen Texte der deutschen Klassik. Am Beispiel einer Figur aus dem griechischen Mythos vom gefallenen Götterliebling Tantalos zeigt Goethe die Befreiung des Menschen aus der Erbschuld durch sich selbst und die Möglichkeit der Schaffung einer wahrhaft humanen Gesellschaft. Seine Iphigenie löst den Widerspruch zwischen eigenen Wünschen und der Verantwortung dem Mitmenschen gegenüber durch ein Verhalten, das sich konsequent an „der Stimme der Wahrheit und der Menschlichkeit“, die zu allen spricht, orientiert. List und Gewalt, Verstellung und Betrug haben in Iphigenies Leben keinen Platz. Damit wird sie Vorbild, das seine positive Wirkung auf die anderen Figuren im Schauspiel nicht verfehlt. Und Vorbild soll sie nach Goethes Willen für den Zuschauer werden, er soll dem auf der Bühne ausgestellten Ideal nacheifern, aus dem Traum des Theaters von einer humanen Welt die entsprechende Realität entstehen lassen, indem er sich seiner Möglichkeit und Verpflichtung, Moral zu leben, besinnt. „Iphigenie auf Tauris“ ist als „Seelendrama“ bezeichnet worden, weil die Titelfigur die „reine Seele“ repräsentiert und es im Text um die Gefährdung dieser Reinheit und ihre Rettung sowie ihre Wirkung geht. Und weil das Stück „reich an innerem Leben, aber arm an äußerem“ ist. Die „Ereignisse“ vollziehen sich nicht in spektakulären Bühnenaktionen, sondern in den Seelen der Akteure, in ihren Monologen und Dialogen. Ein solches Drama verlangt konzentriertes Hinhören, wodurch sich auch seine sprachliche Schönheit erschließt. Wahrnehmung, Erfahrung und Hochschätzung des Schönen sind – so Goethes Meinung – unverzichtbar bei der Bildung des Menschen zu einem humanen Wesen.