(14086) heim.weh

Theaterstück

heim.weh

In Kooperation mit der Volkshochschule Ibbenbüren

Dies ist eine Veranstaltung des Tourneeveranstalters ThomasAlexander Nufer

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heim.weh - ein Theaterstück in Kooperation mit der Volkshochschule Ibbenbüren: Am 8. Mai 1945 ging der Krieg zu Ende. Aber nur das Militär hat kapituliert, alle anderen Institutionen, die in irgendeiner Form Macht ausüben konnten, machten weiter. Hunderttausende junger Menschen waren dem brutalen System „Heimerziehung“ in der frühen Bundesrepublik unterworfen mit massivem Missbrauch von Macht, Demütigungen und Erniedrigungen in ungeheurem Ausmaß ohne Aussicht auf Hilfe oder Mitgefühl. Die Öffentlichkeit interessierte sich nicht für das, was hinter den Mauern geschah. Die Menschen der damaligen Zeit hielten autoritäre Erziehung für völlig normal und leisteten damit den TäterInnen indirekt Beistand. Geduldet von Kirchen, Institutionen, Jugendämtern und Landschaftsverbänden und abgeschirmt vom gesellschaftlichen Leben lebten Kinder und Jugendliche lange Jahre hinter den Mauern geschlossener Erziehungsanstalten. Dort erlitten sie Prügel, Missbrauch und verrichteten Zwangsarbeit jenseits jeglicher Schulbildung. Es waren kaum fassbare Zustände, die sich bis weit in die siebziger Jahre in Deutschland abspielten. Das semidokumentarische Stück nähert sich diesem noch immer verdrängten Kapitel deutscher Geschichte. Die Inszenierung wirft Fragen auf nach dem Zusammenhang staatlich sanktionierter Nazi-Methoden, die in diesen Heimen überleben konnten und dem Wegsehen der Menschen in der Zeit des Wirtschaftswunders. Die Journalistin und spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof war die erste Intellektuelle in der BRD, die sich dieses Themas annahm und es ins öffentliche Bewusstsein rief. In „Bambule”, ihrem einzigen Film überhaupt, kritisiert sie die autoritären Methoden dieser Heimerziehung. In Vorbereitung auf das Filmprojekt trifft sie 1970 das ehemalige Heimkind Irene Treber, die als Tänzerin in einer Bar arbeitet. Irene fällt es schwer, sich Meinhof gegenüber zu öffnen. Erschwerend leidet das Mädchen unter einer ausgeprägten Form der dissoziativen Identitätsstörung, nicht untypisch bei Menschen, deren Psyche ihnen zur Gefahr werden kann. Durch die Treffen in einem Berliner Café jedoch verändert sich Irene. Durch Meinhofs (oft auch eigennütziges) Interesse erlangt sie zum ersten Mal so etwas wie Selbstbewusstsein und sie gibt ihren Widerstand auf. Im Gegenzug verschafft sie der Journalistin Einblicke in den grausamen Heimalltag. Die Heftigkeit der geschilderten Erlebnisse radikalisiert Ulrike Meinhof und sie beginnt am Wert ihrer Arbeit und ihrem gesellschaftlichen Einfluss zu zweifeln. ”heim.weh”möchte sensibilisieren für das Schicksal ehemaliger Heimkinder und ihr durchlebtes Leid, den Verlust ihrer Kindheit und Jugend und die brutalen Erziehungsmethoden in den damaligen Heimen. Das Theaterprojekt begreift sich darüber hinaus als Impulsgeber für die öffentliche Debatte. Gleichzeitig dient es der Prävention für Fehlentwicklungen in der heutigen Praxis der Heimerziehung.

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