(10914) The ROGER CICERO Jazz Experience

MUSIKFESTSPIELE SAAR 2015 - POLEN

The ROGER CICERO Jazz Experience

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Diese Momente des Innehaltens gibt es immer wieder. Einmal war Roger Ciceros Karriere fast beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Sein Arzt stellte ihn vor die Wahl zwischen Stimme und Zigaretten, Roger entschied sich für Ersteres und verzichtete fortan auf Alkohol und Nikotin. „Der Körper ist das Instrument des Sängers, das musste ich damals annehmen; ich hatte alles noch vor mir, alles war möglich. Jetzt bin ich Vater und keine zwanzig mehr, da sind die Gedanken andere. Aber was bleibt, ist, dass es manchmal nötig ist, ganz auf sich selbst zurückgeworfen zu werden und zu sehen, wie aus der scheinbaren Leere Raum für Neues entsteht. Es erinnert mich daran, dass man dem Leben immer wieder einmal einen großen Vertrauensvorschuss geben und sich bewusst für das Risiko entscheiden sollte, um wirklich weiter zu kommen. Es ist wie mit einer neuen Liebe: Ein Teil des alten Lebens endet, man weiß nicht, was kommt - aber man ist sich sicher: Es wird gut.“ Ich werd mich heut von mir trenn‘n Und lern mich morgen neu kenn‘n Der Moment, in dem du alles stornierst Ist der Moment, in dem du kapierst Die Themen seiner neuen Songs zieht Roger Cicero aus sich selbst, aus Gedanken und Erlebtem. Doch was er daraus macht, ist keine introspektive Rückschau, sondern allgemein gültig: Ein Blick nach vorn im klaren Bewusstsein dessen, was war. Dieser Tenor des Titelsongs findet sich wieder in den vielen Facetten des gesamten Albums: Es wirft Fragen auf, wie jene nach dem Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit - die von der ersten Single „Wenn es morgen schon zu Ende wär“ mit einem Mehr an nachdenklicher Lebensfreude beantwortet wird. Es beschreibt, untermalt von flirrender Hammond-Orgel, den meist unglamourösen, überraschend banalen Moment der Trennung (Hollywood), erzählt von den unkontrollierbaren, atemlosen Momenten absoluter Leichtigkeit (Glück ist leicht) und begrüßt, fanfarengleich und vor Freude sprühend, die neue Liebe (Du bist mein Sommer). Und es ermutigt, selbst in scheinbar ausweglosen Situationen nicht zu resignieren, sondern nach verborgenen neuen Türen zu suchen - sie sind da (Wenn du die Wahl hast). Der eindringlichste Moment des Albums entsteht in „Frag nicht, wohin“, vordergründig ein Versuch, das Auseinandergehen der Eltern mit den Augen des Sohnes zu sehen, dahinter aber auch ein Ringen mit den Gespenstern der eigenen Kindheit und ein Eingeständnis des Scheiterns als Vater, der eigentlich alles besser machen wollte. Rio Reisers „Straße“ ist der einzige nicht aus eigener Feder stammende Titel - dafür aber der erste, den Roger Cicero in die engere Wahl nahm, noch bevor er überhaupt mit dem Songwriting für sein neues Werk begann: „Ich bin schon immer ein großer Verehrer von Rio Reiser. Und in ,Straße‘ bringt er die Gefühls- und Gedankenwelt nach einer Trennung auf völlig unprätentiöse Weise dermaßen auf den Punkt, dass es mich immer wieder schüttelt. Es war nicht ganz leicht, ein Stück von nur zwei Akkorden in ein jazziges Gewand zu bekommen, aber die Mühe hat sich gelohnt.“